Reparatur der BR42

Da stand ich nun mit meinem Sorgenkind. Ich habe die Lok zwar preiswert erworben, aber der Zustand war besch... Sie taumelte auf den Schienen und wollte überhaupt nicht richtig laufen. Also hab ich mal genauer nachgeschaut und festgestellt, daß die Lager an meiner BR42 total ausgeschlagen waren. Statt der üblichen 2,5 mm waren sie teilweise auf 3 mm aufgeweitet, alle sieben Lagerschalen waren sehr mitgenommen. Das lag wohl daran, daß die Lok, die ja immerhin fast 1 kg schwer ist, ohne Fett lief. Nun hatte ich zwei Möglichkeiten: die Lok zu zerlegen und die brauchbaren Teile wieder zu verkaufen oder einen Reparaturversuch zu unternehmen. Also dachte ich mir: Viel kann man da ja nicht mehr kaputt machen und habe mich schließlich für die zweite Variante entschieden.

Vorschau

Hier habe ich nun ein paar kleine Bilder zusammengestellt, welche die Rahmenreparatur verdeutlichen. Wenn ihr auf eines der kleinen Bildchen klickt, gelangt ihr zu einer Slideshow, in der die Bilder vergrössert sind. Ausserdem gibt’s zu jedem Bild ein paar erklärende Worte.

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Rahmen

Beim Ausbuchsen der Lager der Zwischenzahnräder ist zu beachten, daß alle Lager unterschiedliche Abstände zur Oberkante des Rahmens haben. Insbesondere die Unterschiede beim zweiten und dritten Lager (Maße b & c auf dem Bild), die bei der 3-Achser ja betroffen sind. Die Differenz von 0,15 mm mag zwar marginal erscheinen, ist aber von Bedeutung. Wenn man das nicht beachtet, stimmen die Abstände der Zwischenzahnräder zu den Zahnrädern der Antriebsräder nicht mehr und es kommt entweder zu schwergängigem Lauf (bei zu kleinem Abstand) oder zu sägenden Geräuschen (bei zu großem Abstand).
Nachgemessen habe ich das mit der Digitalschieblehre an zwei neuen, nicht benutzten Rahmen. Damit scheiden werkseitige Fertigungstoleranzen eigentlich aus. Der Unterschied ergibt sich aber durch die unterschiedlichen Abstände zwischen der 2.&3. Achse und der 3. & 4. Achse (18,4 mm / 18,6 mm).
 

Dieses Video zeigt schön, wie leichtgängig die Lok nach erfolgreicher Reparatur läuft. Schon bei wenig mehr als 0,9 Volt läuft sie an. Diese Lok ist mit einem Getriebeumbau auf 1:18 ausgerüstet, was ihre Zugkraft auf der Schiene deutlich erhöht. Die Schwungmasse des Mabuchi-Motors hat 39,5 Gramm - mehr geht aus Platzgründen nicht - die Zwischenzahräder sind aus Metall auf Silberstahlwelle und genau so lang, wie der Rahmen breit ist. Damit habe ich eine optimale Führung bei minimalem Spiel. Theortisch könnte man die Lok sogar “trocken” laufen lassen. Der Pflegeaufwand ist deutlich geringer, als beim Original.
Weil ich nun alle Arbeitsschritte auf einer Maschine ausführe, brauche ich auch nur die Toleranz dieser Maschine zu berücksichtigen.
Und die ist mit einer Rundlaufgenauigkeit von < 0,05 mm am Drehbankfutter sehr gering.

Ein weiterer Schwachpunkt der Lok ist die Achslagerplatte. Wenn der Rahmen schon in Mitleidenschaft gezogen ist, hinterlassen die Achsen auch am Lagerdeckel eindeutige Spuren. Der Reparatur der Lagerplatten habe ich eine separate Seite gewidmet.

Getriebeblock

Hier mal ein Bild von einem Schaden, der sehr selten auftritt: Die Lager der Getriebausgangswelle waren ausgeschlagen. Aber auch das kann ich wieder reparieren. Die Rückwand des Getriebeblocks ist stark genug um eine neue Führung für die Welle zu tragen. Die Vorderseite ist dafür allerdings zu schwach. Aber auch dafür hab ich eine Lösung parat.

Eine durchaus interessante Variante des Getriebes ist mir in die Hände gefallen: Die Übersetzung wurde von ~10:1 (original 21:2) auf 21:1 geändert. Der Umbau stammt wohl von einer heute nicht mehr existierenden Firma - das haben zumindest meine Recherchen ergeben. Diese Änderung der Übersetzung führte aber zu einer nach NEM maßstabsgerechten Geschwindigkeit der Lok (Vmax(1:1) +40% = Vmax(1:87).
Ich habe die Übersetzung mittlerweile auf 18:1 geändert, weil zum einen die Verschränkung der Winkel von Schnecke zu Zahnrad zu Problemen führt und ich zum anderen diese Übersetzung selbst herstellen kann. Die gleiche Kombination kommt übrigens auch beim Umbau der BR01/BR18 auf Riemenantrieb zum Einsatz. Eine V36 habe ich ebenfalls damit ausgestattet.

Zwischenzahnräder... auch so ein Fall. Die Dinger sind aus Kunststoff und nicht ewig haltbar. Problematisch ist auch, daß die Toleranzbreite bei der Fertigung erheblich ist.
Die Buchsen für die Lager der Zwischenzahnräder werden von mit aus Rotguß / Lagerbronze gefertigt. Dabei achte ich auf möglichst genaue Maße und fertige sie mit der Toleranz H7. Von den 4 neuwertigen Zwischenzahnrädern, die ich noch auf Lager habe, paßte allerdings nur eines, zwei klemmten in der Buchse und eines hatte Spiel. Mit diesen Abweichungen sind Schäden am sowieso weichen Material des Rahmens schon fast vorprogrammiert, weil nichts genau zusammen passt.
Abhilfe schafft da nur die Verwendung von Stahlachsen mit geringer Toleranzbreite und die Verwendung von Zahnrädern anderer Hersteller. Diese sind aus Metall, die Wellen aus Silberstahl (2,5 mm h9) und die Lagerhülsen aus Bronze (2,52 mm H7).

Die Buchsen für die Antriebsachsen werden genauso hergestellt. Das garantiert eine lange Standzeit der Lager und einen einwandfreien Lauf der Lok. Allerdings sind die Anforderungen an die Genauigkeit der Arbeiten auch wesentlich höher geworden. Deshalb habe ich den Arbeitsablauf auch geändert und bin beim Ausfräsen der Lager von der Fräse auf die Drehbank umgestiegen.

Sollte jemand Probleme mit defekten Lagern an seiner BR42 haben, so kann er sich gerne an mich wenden.

BR 42 in Auslieferungslackierung

Hier die BR 42 in der sog. Auslieferungslackierung. Das optische 1:1 Vorbild steht in Form einer BR52  im fränkischen Neuenmarkt im dortigen Eisenbahnmuseum.
 

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