Riemenantrieb für die 2-C-1-Loks
(BR 01, BR18, S3/6)

Das Getriebegeräusch nach dem Umbau auf den Mabuchi-Motor ist auf Grund der geraden Verzahnung der Zahnräder nicht abzustellen. Durch genaues Einstellen der Abstände kann man es zwar minimieren, aber es bleibt doch, genau wie bei der V200. Im Gegensatz zur V200, wo der Umbau auf Riemenantrieb noch relativ einfach ist, sind bei der BR01 größere Eingriffe nötig. Einfach das Zahnrad der Antriebswelle durch eine Riemenscheibe auszutauschen funktioniert nicht, da das Übersetzungsverhältnis Schnecken : Schneckenrad mit 4 : 21 recht ungünstig ist und keine vernünftige Dimensionierung der Riemenscheiben zulässt.

Bild 1: Der Rahmen nach dem Ausfräsen
BR01 06

Bei meiner ersten Entwicklung habe ich in den Rahmen zunächst eine Aussparung gefräst. Sie sollte dann die große Riemenscheibe aufnehmen.
Das war an dieser Stelle nicht besonders gefährlich für den Rahmen, da die Wandstärke noch ausreichend war, der Rahmen nicht so viel an Festigkeit verloren hatte.

Bild 3: Die Welle

Und so hat das dann im zusammengebauten Zustand ausgesehen. Die Konstruktion war zwar leiser, als bei dem Originalgetriebe, aber wesentlich aufwendiger.

Die Schwungmasse musste in diesem Fall vor die Riemenscheibe am Mabuchi-Motor gesetzt werden.
Insgesamt lies mir dieser erste Versuch aber zu wenig Spielraum bei der Gestaltung der Riemenscheiben und der Anpassung der Geschwindigkeit. Auch der Eingriff in den Rahmen der Lok war doch recht erheblich. Die so umgebaute BR01 lief zwar leiser, das Problem mit dem Auslauf hatte ich auch einigermaßen im Griff, aber zufriedenstellend war das nicht. Ausserdem sass bei dieser ersten Konstruktion der Motor so weit hinten, dass er über das Führerhaus hinausragte.

Die andere Möglichkeit, war das Übersetzungsverhältnis Antriebswelle / Antriebsachse zu ändern. Die Idee, die 4-gängigen Schnecken durch 1-gängige zu ersetzen kam mir schon recht bald. Die Schnecken sind nach den Maßen der Originale gedreht und auf die Achse aufgelötet, ebenso die Riemenscheibe. Zum Anpassen der Abstände der Schnecken auf der Achse habe ich mir eine Schablone gebaut. Die Passgenauigkeit der Antriebswelle überprüfe ich auf einem eigens dafür umgebauten Rahmen einer BR01. Da die Verschränkung der Zahnrad- und Schneckenflanken bei dieser Änderung zu groß waren, mußte ich auch die Zahnräder der Antriebsachsen ändern. Das Übersetzungsverhältnis von ursprünglich 4:21 habe ich so auf 1:18 reduziert, die Winkel der Schneckenzahnräder sind der Steigung der Schnecken angepasst.

Original und Nachbau

technische Daten

Durchmesser

Steigung

Schnecke (eingängig)

6,4 mm

1,5 mm

Übersetzung

Motor : Welle

1,4 : 1

Antriebswelle

2,0 mm

72 mm Länge

Im Bild links zu sehen: Oben das Original und darunter der Umbau. Statt der viergängigen Schnecke verwende ich eingängige, die Zahnräder sind entsprechend angepasst.
Die Lagerhülsen musste ich neu fertigen, da die Original-Achse von Trix 2,1mm stark ist, während die Achse des Bausatzes nur 2,0mm Durchmesser hat und somit die Trix-Lagerhülsen nicht verwendbar sind. Außerdem sind die Sinterlager auf Dauer der Belastung durch die Riemenspannung nicht gewachsen. Die Edelstahlhülsen sind da deutlich robuster.

fertiger Satz

Der Umbausatz mit fertig montierter Schneckenwelle

Im Bild unten ist der Koplettumbau zu sehen. Erste Probeläufe haben gezeigt, dass das von mir befürchtete Verklemmen des Riemens zwischen der Riemenscheibe und den Radscheiben der C-Achse nicht vorkommt, auch nicht unter Last. Ein Problem war auch das Übersetzungsverhältnis zwischen Motor und Antriebswelle. Ich hab die Originalgeschwindigkeit im Maßstab 1:87 umgerechnet und daraus ein Übersetzungsverhältnis errechnet (siehe Tabelle oben). Durch die eingängigen Schnecken habe ich mehr Spielraum bei der Dimensionierung der Riemenscheiben und ich konnte die max. möglichen Durchmesser verwenden, um den Riemen zu schonen. Meine so umgebaute BR18 läuft seidenweich und schön ruhig und hat durch die geänderte Übersetzung etwas an Zugkraft gewonnen. Auslauf aus Vmax: ca. 1 Loklänge.
Und für all diejenigen, die den Riemenantrieb nicht so mögen: dieser Getriebeumbau funktioniert natürlich auch mit dem bei diesen Loks verbauten Zahnradantrieb. Der Vorteil dabei liegt in einer besseren Langsam-Fahreigenschaft, da der Riemenantrieb naturgemäss etwas Energie frisst, der Nachteil liegt in der höheren Geräuschentwicklung.

Die Antriebsriemen sind Verschleißteile, dessen sollte man sich bewußt sein. Ich habe mit vielen Varianten experimentiert. O-Ringe aus dem Installationsbereich (wie man sie in Baumärkten findet) sind nicht sonderlich empfehlenswert, sie halten meist nicht lange, sind nicht ölbeständig, viel zu dick und zu steif. Außerdem sind nur bestimmte Norm-Maße zu bekommen, die den Anforderungen hier nicht gerecht werden. Ich habe nun einen Händler gefunden, der mir jedes gewünschte Maß liefern kann. Außerdem sind die Ringe öl-, lösungsmittel-  und säurebeständig, haben eine hohe Reissfestigkeit und eine höhere Dehnbarkeit. Daß sie etwas teurer sind nehme ich dabei gerne in Kauf. Mit dem neuen Riemen haben sich die Laufeigenschaften nochmals verbessert. Der Motor läuft jetzt schon viel leichter an und die Lok hat mehr Auslauf. Die Riemenscheiben sind so dimensioniert und angefertigt, daß kaum Spannung des Riemens nötig ist. Die kraftabgewandte Seite ist fast spannungsfrei. Damit reduziert sich die Belastung der Lager, was die Standzeit wesentlich erhöht. Der Kaftschluss zwischen Riemen und Scheibe erfolgt durch die spezielle Konstruktion der Riemenscheiben.

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